Villa Lassen 

Im Spiegel der Zeit 

Die Industriegemeinde Erkner im Südosten Berlins war von 1885 bis 1889 Wohnsitz Gerhart Hauptmanns. Der lungenkranke junge Bildhauer fand hier zu seiner eigentlichen Lebensaufgabe als Schriftsteller. „Mit der märkischen Landschaft aufs innigste verbunden, schrieb ich dort ‚Fasching’, ‚Bahnwärter Thiel’ und mein erstes Drama ‚Vor Sonnenaufgang’. Die vier Jahre sind sozusagen die Ecksteine für mein Werk geworden.“

Ort und Menschen gaben den Hintergrund für viele Werke Hauptmanns. So liegt der Novelle „Fasching“ (1887) ein Unglücksfall zugrunde, bei dem im Februar 1887 eine dreiköpfige Familie im Flakensee ertrank. Auch in der Diebeskomödie „Der Biberpelz“ (1893) und in seiner Fortsetzung "Der rote Hahn" (1911) tragen die handelnden Gestalten Züge damaliger Bewohner der Villa in Erkner, und in „Einsamen Menschen“ (1891) wird sie selber zum Schauplatz der Handlung, auch wenn ein Landhaus am Müggelsee in Friedrichshagen als Handlungsort genannt wird.

Seit 1987 beherbergt das alte Haus ein Literaturmuseum für Gerhart Hauptmann. Das Museum verbindet die Elemente des Memorials mit denen eines biographisch-kulturhistorischen Museums, in dem ein umfassender Überblick über Leben und Werk im Zusammenhang mit den sozialen, politischen, kultur- und literaturgeschichtlichen Strömungen seiner Zeit vermittelt wird. Dabei ist die Biographie mit der Werk- und Wirkungsgeschichte verbunden worden, zu der auch zahlreiche bildkünstlerische Arbeiten von Käthe Kollwitz, die 1887 Gast Hauptmanns in Erkner war, Heinrich Vogeler, Heinrich Ehmsen, Charlotte E. Pauly, Johannes M. Avenarius u.a. gehören.

Ein Forschungsarchiv mit über 30.000 Bestandseinheiten bietet vielfältige Möglichkeiten, sich mit Hauptmann und seinem Werk auseinanderzusetzen.

 

 

Villa Lassen - historische Aufnahme
Villa Lassen - historische Aufnahme