Haus am Hang in Scheiberhau  

(Szklraska Poręba) 

1890, während einer Wanderung, waren die jungen Schriftsteller Carl und Gerhart Hauptmann von der Landschaft des Schreiberhauer Umlandes dermaßen begeistert, dass sie beschlossen haben, sich hier dauerhaft niederzulassen. Gerhart Hauptmann hat hier einige seiner bekanntesten Werke geschaffen, „Die Weber“, „Biberpelz“ und „Fuhrmann Henschel“. Nach dem Zerfall seiner Ehe mit Marie Thienemann im Herbst 1896 kehrte der Schriftsteller zunächst nach Berlin zurück, um erst 1900 wieder im benachbarten Agnetendorf auf Dauer zu bleiben.

„Das Haus am Hange“ in Mittelschreiberhau wurde rasch zu einem der wichtigsten Treffpunkte der sich am ausgehenden 19. Jahrhundert bildenden Schreiberhauer Künstlerkolonie. An langen, heißen Debatten über Literatur, Philosophie und Kunst nahmen u.a. der befreundete Naturwissenschaftler und Publizist Wilhelm Bölsche teil, Schriftsteller und Journalist Bruno Wille, anarchiesierender Dichter John Henry Mackay, Maler Hanns Fechner (bekannt auch als Spreehans, da er aus Berlin stammte), Otto Müller, der später Mitglied der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“ wurde, Nationalökonom Werner Sombart und die Komponistin Anna Teichmüller.

Nach dem Auszug Gerharts ist Carl Hauptmann im Dichterhaus geblieben. In seinen literarischen Werken hat er gerne und oft die Riesengebirgsthematik aufgegriffen. Seine bekanntesten Arbeiten sind Legendensammlung „Rübezahlbuch“ und „Einheit der Lächler“, ein Roman über das künstlerische Leben in Breslau am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Carl Hauptmann hat die deutsche Übersetzung des Romans „Chłopi“ (Die Bauern) von Stanisław Reymont überarbeitet, womit er sicherlich zur Verleihung des Nobelpreises an den polnischen Schriftsteller 1924 beigetragen hatte.

Im Carl Hauptmanns Haus haben sich oft bekannte Schaffende aus dem Umkreis der damaligen Künstlerkolonie getroffen.  Nach Carls Tod wurde hier eine kleinere Ausstellung errichtet, die den Schreiberhauer Künstlern gewidmet war. Später, 1936, ist aus dem „Haus am Hange“ ein „Haus der Heimat“ geworden, eine Begegnungsstätte für die Trachtengruppen, die die lokalen Volkstraditionen pflegten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist hier ein Dom Pracy Twórczej Związku Litaratów Polskich (Kreativhaus des polnischen Schriftstellerverbandes) geworden, später ein Reha-Zentrum und schließlich kommunale Wohnungen. 1987 hat die örtliche Verwaltung das Haus an das Muzeum Okręgowe in Jelenia Góra (Kreismuseum in Hirschberg) übergeben, das eine Generalüberholung des Gebäudes durchführte.

Am 21. Februar 1995 ist hier ein neues Museum eröffnet worden, das heute eine Filiale des Hirschberger Riesengebirgsmuseums ist (Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze). Das Carl und Gerhart Hauptmann Haus präsentiert eine Dauerausstellung über den Berggeist (Rübezahl), über die Künstlerkolonien mit besonderer Berücksichtigung von Carl und Gerhart Hauptmann und über die Malerei von Vlastimil Hoffman. Das Museum zeigt das kulturelle Reichtum im Riesengebirge damals und heute. Zur Sammlung des Hauses gehören zahlreiche bibliophile Ausgaben von Carl und Gerhart Hauptmann, darunter die Erstausgabe von „Die Weber“ in Polen (Tkacze), die 1898 in der Druckerei der Auswärtigen Verbundes der Polnischen Sozialisten in London (Drukarnia Związku Zagranicznego Socjalistów Polskich w Londynie) entstanden ist. Darüber hinaus gibt es eine Sammlung der Landschaftsmalerei aus dem Riesengebirge von Künstlern der „Künstlervereinigung St. Lucas in Schreiberhau“, der vor dem Zweiten Weltkrieg hier ansässig war, wie Malern Alfred Nikisch, Georg Wichmann und Hans Oberländer aber auch Grafiken und Zeichnungen von Tadeusz Nodzynski, Krzysztof Figielski und Beata Kornicka-Konecka. Neben dem Gebäude befindet sich die Grabstätte von Carl Hauptmann, die, durch den Freundeskreis des Dichters finanziert, vom berühmten Architekten Hans Pölzig 1925 entworfen worden ist.

 

 

Gerhart Hauptmann in Schreiberhau und die S
Gerhart Hauptmann in Schreiberhau und die S