Newsletter im Browser anschauen
           Vor Sonnenuntergang
Theater Konstanz

Vor Sonnenuntergang (Theater Konstanz)

Regie: Martin Nimz

Ausstattung/Bühne: Sebastian Hannak

Kostüme: Tanja Jesek

Dramaturgie: Laura Ellersdorfer u. Dr. Thomas Spieckermann

Darsteller:

Theresa Berlage, Laura Lippmann, Friederike Pöschel, Jana Alexia Rödiger, Anne Greta Weber, Ralf Beckord, Marko Dyrlich, Otto Edelmann, Axel Julius Fündeling, Andreas Haase, Odo Jergitsch, Thomas Fritz Jung, André Rohde

Die Familie traut ihren Augen kaum: Sommerparty, Jazzklänge, Bowle und mittendrin der siebzigjährige Vater, der im großen Stil Geburtstag feiert. Seit dem Tod seiner Frau hat Geheimrat Matthias Clausen zurückgezogen vom öffentlichen Leben ein Schattendasein geführt. »Er ist dem Dasein wiedergegeben«, stellt Tochter Bettine überrascht fest. Hat die junge Inken, die ausgelassen über die Tanzfläche wirbelt, etwas mit der plötzlichen Genesung des Vaters zu tun? Dem wiedererwachten Lebenswillen Clausens stehen seine Kinder argwöhnisch gegenüber. Sie fürchten um ihr Erbe und ihre bisher gesicherte Existenz. Durch Intrigen und Bestechung versuchen sie vergeblich die junge Frau aus der Gegend zu vertreiben. Beim gemeinsamen Frühstück kommt es zum Eklat, als Clausen Inken offiziell in die Familie einführt. Doch nun drohen Clausens Kinder ihrem Vater mit Entmündigung.

Hauptmann entfaltet in seinem 1932 uraufgeführten Drama ein groß angelegtes Familien- und Gesellschaftsbild. In Zeiten des demografischen Wandels gewinnt sein Familiendrama über Generationenkonflikte neue Aktualität. Kann es eine Liebe trotz eines hohen Altersunterschieds geben? Hat der Einzelne ein Recht seinen Lebensentwurf gegen die Interessen seiner Familie zu verwirklichen?

           Die Ratten
Thalia Theater Hamburg

Die Ratten (Thalia Theater Hamburg)

(mit Szenen von Einar Schleef und Maxim Gorki)

Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Mark Badur
Dramaturgie: Carl Hegemann
Musiker: Dieter Fischer. Markus Graf

Darsteller:
Markus Graf (Quaquaro/Schierke/Luka)
Lisa Hagmeister (Frau John)
Franziska Hartmann (Walburga / Alice Rütterbusch)
Mirco Kreibich (Erich Spitta)
Karin Neuhäuser (Harro Hassenreuther)
Thomas Niehaus (Bruno Mechelke / Frau Kielbacke)
Jörg Pohl (Herr John / Kleschtsch)
Maja Schöne (Pauline Piperkarcka / Selma)
Catrin Striebeck (Frau Sidonie Knobbe)


„In der Kantine, da sitzen die Schauspieler... Die Kantine ist im Keller, die Schauspieler sitzen im Keller der menschlichen Empfindungen. Die Garderoben sind ja immer oben. Zwischen Garderobe und Keller ist die Bühne. Die Garderobe ist der Traum, wie man sein will, und dann beginnt der Absturz. Über die Treppen zum Inspizienten. Und dann ist die Niederlage perfekt.“ Mit diesem Hinweis auf die Architektur des Theaters beantwortete der Theaterkünstler Einar Schleef die Frage, was für ihn ein Schauspieler sei. So betrachtet, ist es kein Wunder, dass der Hauptgegenstand des Theaters die Tragödie ist. Gerhard Hauptmann hat zwei Generationen vor Schleef für seine Tragikomödie „Die Ratten“ eine ähnliche Symbolik benutzt. Die Berliner Mietskaserne, in der dieses Stück bei ihm lokalisiert ist, hat auch drei Ebenen. Oben unterm Dach hat der abgehalfterte Theaterdirektor Hassenreuter sein Reich. Als klassisch fühlender und pragmatisch denkender  Regisseur, herrscht er dort über seinen Anhang und seine Schüler. In der Mitte, in der „bel etage“, lebt das Ehepaar John den Traum von einer heilen, glücklichen Familie, der aber an der Basis bröckelt und jederzeit in sich zusammenstürzen kann. Und unten im sogenannten „Knochenkeller“ sammeln sich die Abgestürzten aus den oberen Etagen und leben dort ungeniert. Denn jeder Tag könnte der letzte sein. Sie sind frei, zumindest frei von Verantwortung und Leistungsdruck, aber ohne Zukunft und Perspektive. Alle drei Welten existieren in Hauptmanns Stück unter einem Dach. Sie sind voneinander abgeschlossen, aber auch durchlässig, zumindest nach unten in den Keller – der für einige nicht nur als Bedrohung  sondern auch als Sehnsuchtsort erscheint.
Über diesen Keller wird bei Hauptmann auf der Bühne nur gesprochen. Er wird aber nie gezeigt. Knapp 100 Jahre nach der Uraufführung und nach mindestens 500 Inszenierungen, die dieser Klassiker seitdem erfahren haben dürfte, macht Jette Steckels Inszenierung den Versuch, das bei Hauptmann zugrunde liegende Modell zu vervollständigen, und auch den „Keller der menschlichen Empfindungen“  auf die Bühne zu bringen. Einar Schleef hat dazu Material geliefert. Sein 1984 auf Originaldokumenten des Moskauer Künstlertheaters basierendes Stück „Die Schauspieler“ handelt von Schauspielern der Uraufführung von Gorkis „Nachtasyl“, die zwecks Probenvorbereitung in den Keller hinabsteigen. Indem er Schauspieler „Penner“ erforschen lässt, holt Schleef diese gleichzeitig auf die Bühne.  „Kann man einen richtigen Schauspieler mit einem richtigen Penner verwechseln?“

           Roter Hahn im Biberpelz
Theater am Kurfürstendamm Berlin

Roter Hahn im Biberpelz (Theater am Kurfürstendamm Berlin)

Bearbeitung nach Gerhart Hauptmanns "Der Biberpelz" und "Der Rote Hahn"
von Jan Liedtke und Philippe Besson

Regie: Philippe Besson
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüm: Gabriella Ausonio
Musik: Emanuel Hauptmann
Video: Maximilian Reich

Darsteller:

Frau Wolff, Frau Fielitz: Katharina Thalbach
Julius Wolff, von Wehrhahn: Pierre Besson
Leontine, Frau Motes, Glasenapp: Anna Thalbach
Adelheid, Gustav Rauchhaupt: Nellie Thalbach
Motes, Doktor Fleischer, Langheinrich, Schmarowski: Julian Mehne
Krüger, Rauchhaupt: Roland Kuchenbuch
Wulkow, Anton Fielitz: Jörg Seyer
Ede, Schulze, Mitteldorf: Ronny Miersch 


Winter um 1880, ein Dorf im Umland von Berlin: Die Waschfrau Wolff ist fest entschlossen, sich und ihre Familie zu Wohlstand zu bringen. Dafür sind ihr auch Diebstähle und kleine Gaunereien recht. Ihre Familie spannt sie geschickt für ihre Zwecke ein. Das Gewissen plagt sie dabei nicht, da ihre „Opfer“ stets wohlhabende Leute sind. So verschwindet zum Beispiel plötzlich auf unerklärliche Weise der nagelneue Biberpelz von Rentier Krüger... Der Amtsvorsteher des Ortes, der selbstgefällige Baron von Wehrhahn, will für Ordnung sorgen und die Diebstähle aufklären, wird dabei aber mühelos von Frau Wolff hinters Licht geführt.
Zehn Jahre später: „Mutter Wolffen“ hat in zweiter Ehe den Schuhmachermeister Fielitz geheiratet, aber sie hat noch mehr vor: Vom Dorfnachbarn Grabow hat sie sich abgeschaut, wie man die häuslichen Gegebenheiten kostengünstig aufpoliert: durch Brandstiftung und Versicherungsbetrug. Also geht an einem windigen Herbsttag ihr Haus tatsächlich in Flammen auf. Durch Frau Fielitz’ Manipulation fällt der Verdacht der Brandstiftung auf den Sohn des ehemaligen Gendarms Rauchhaupt, den geistig zurückgebliebenen Gustav. Wieder führt sie den Amtsvorsteher Wehrhahn hinters Licht und am Ende hat Frau Fielitz alles erreicht.
Die mit Witz und halbseidenen Mitteln nach Sicherheit strebende Frau Wolff aus dem „Biberpelz“ wird im „Roten Hahn“ zur gewissenlosen Kleinbürgerin.
Mit Respekt vor dem Original legen Jan Liedtke und Philippe Besson einen neuen Hauptmann vor: Durch geschicktes Verdichten und Ineinandergreifen beider Handlungsstränge gelingt es, die Rolle der „Mutter Wolffen“ mit ihrer ganz eigenen Definition von sozialer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen – eine Paraderolle für Katharina Thalbach!
Unter der Regie von Philippe Besson spielen Katharina Thalbach, Pierre Besson, Anna Thalbach, Nellie Thalbach, Roland Kuchenbuch, Julian Mehne, Jörg Seyer und Ronny Miersch.

           Die Ratten
Neues Theater Halle

Die Ratten (Neues Theater Halle)

Inszenierung: Henriette Hörnigk
Bühne und Kostüme: Claudia Charlotte Burchard (Gast)
Musik: Smoking Joe
Dramaturgie und Regieassistenz: Bernhild Bense
Ausstattungsassistenz: Maria Rumswinkel

Besetzung:
Harro Hassenreuter: Matthias Brenner
seine Frau: Elke Richter
Walburga: Stella Hilb
Erich Spitta: Alexander Pensel
Käferstein / Bruno Mechelke: Hagen Ritschel
Alice Rütterbusch / Frau Sidonie Knobbe: Petra Ehlert
Dr. Kegel / Quaquaro / Frau Kielbacke: David Kramer
John: Alexander Gamnitzer
Frau John: Bettina Schneider
Pauline Piperkarcka: Anne Lebinsky (Gast)
Selma: Hermine Dehler
Selma: Eleonore Weber
Schutzmann Schiercke: Jörg Simonides


Ratten. Hauptmanns Personnage sind keine Tiere, sondern Menschen. Anpassungsfähig. Eifrig. Vernichtend. Schädigend. Berlin 1910 beherbergt viele von ihnen, die um ihr Überleben kämpfen und dabei durch die Hölle gehen – emotional, wirtschaftlich und schließlich ohne Ausweg. Brutal, gleichermaßen rührend und vor allem – typisch – mit dem lupengenauen, naturalistischen Blick auf die Milieus seiner Zeit, erzählt Gerhart Hauptmann die Geschichte der Putzfrau Henriette John. Sie kann keine Kinder bekommen und stellt der schwangeren, allein gelassenen Pauline Piperkarcka einen Dachboden zur Verfügung, wo diese heimlich ihr Baby zur Welt zu bringen kann. Mehr noch, damit Pauline ihre Anstellung nicht verliert, kauft die John ihr das Kind ab. Nur, als das Kind da ist, hegen beide Frauen ungeahnte Muttergefühle für das Neugeborene. Die John gibt es nicht mehr raus. Die junge Piperkarcka wird zur Furie. Die Verträge zählen nichts mehr. Es kommt zur Katastrophe.
Der undurchsichtige Dachboden wird auch für Theaterdirektor Hassenreuter zum heimlichen Fluchtpunkt seines Stelldicheins mit einer Actrice. Zwei Etagen tiefer lebt er sein Doppelleben als Schauspiellehrer mit Frau und Tochter. Drüber und drunter Nachbarn, Kriminelle, Arme, Arbeitslose. Einsame Menschen, die die moderne Stadt voll vereinnahmt oder ausgespuckt hat und deren Bindungen daran kaputt gehen. Sie prostituieren sich und lügen, sie haben Angst und leben mit der Gewissheit, dass mit Ehrlichkeit in dieser Welt kein Glück zu machen ist.

           Rose Bernd
Saarländisches Staatstheater Saarbrücken

Rose Bernd (Saarländisches Staatstheater Saarbrücken)

Inszenierung: Frank Hoffmann
Bühnenbild: Ben Willikens
Kostüme: Jasna Bošnjak
Licht: Zeljko Sestak
Musik: René Nuss


Besetzung:
Bernd: Ulrich Gebauer
Rose Bernd: Jacqueline Macaulay
Marthel: Anouk Wagener
Christoph Flamm: Wolfram Koch
Frau Flamm: Anna Stieblich
Arthur Streckmann: Luc Feit
August Keil: Steve Karier
Kleinert: Roger Seimetz
Die alte Golischen: Annette Schlechter


Im Jahre 1903 wurde Gerhart Hauptmann zum Geschworenen bestimmt, um über eine Kindsmörderin zu richten. Seine genaue Beobachtungsgabe half ihm zu erkennen, dass sie ein Opfer der Verhältnisse war; es gelang ihm, den Freispruch durchzusetzen. Eine Ungeheuerlichkeit im preußischen Rechtssystem. Noch am Tag der Urteilsverkündung begann er, »Rose Bernd« zu schreiben. Der Naturalist Hauptmann entpuppt sich in diesem bewegenden Werk als großer Zeitgenosse Freuds. Rose Bernd soll August Keil heiraten, einen frömmelnd sich selbst zerfleischenden Mann. Dies hat ihr strenger, moralisch unerbittlicher Vater bestimmt. Doch Rose sucht das wahre, kleine, kurze Glück in den Armen von Christoph Flamm, dem Mann ihrer Ziehmutter, der einzigen Frau, die jemals gut zu ihr war. Und das wird fatal. Der Maschinist Streckmann ertappt die beiden, erpresst Rose Bernd, vielleicht missbraucht er sie gar. Eine junge Frau wird irre an den Verhältnissen und an den Männern. Sie erstickt am Leben, noch bevor es überhaupt begonnen hat.

           Der Biberpelz
Hessisches Landestheater Marburg

Der Biberpelz (Hessisches Landestheater Marburg)

Regie: Marc Wortel
Bühne: Donald Becker
Kostüme: Donald Becker
Dramaturgie: Annelie Mattheis

Besetzung
Fabian Baumgarten (a.G.)
Ogün Derendeli
Julia Glasewald
Johannes Hubert (a.G.)
Thomas Huth
Jürgen H. Keuchel
Sebastian Muskalla
Christine Reinhardt
Thomas Streibig
Tobias M. Walter

Wenn jeder nach dem eigenen Vorteil strebt, dann geht es allen am besten. Soweit die Theorie, doch in der Praxis geht bei diesem Versuch so einiges drunter und drüber.
Als in einem kleinen Städtchen in der Provinz auf mysteriöse Weise ein Reh, Feuerholz und ein Biberpelz verschwinden – also Privatbesitz dem eigenen Vorteil einverleibt wird – muss der Amtsvorsteher Baron von Wehrhahn handeln. Doch auf wen kann er sich wirklich verlassen? Überall lauern sozialdemokratische Tendenzen, dunkle Existenzen, politisch verfemte, reichs- und königsfeindliche Elemente, die ihm das Leben schwer machen. Er stellt die Bevölkerung unter Generalverdacht.
In einem einfachen, kleinen Häuschen lodert ein Feuer, darauf eine Kasserolle mit Wildbraten. Die fleißige Waschfrau Wolff kümmert sich um das Essen: Denn ihrer Familie soll es an nichts fehlen. Ihre Kinder sollen einmal groß Karriere machen. Und um den gesellschaftlichen Aufstieg zu erreichen, das private Glück zu optimieren, sind fast alle Mittel erlaubt. Im Hintergrund zieht Frau Wolff die Fäden für eine bessere Zukunft, mit dem Ohr stets am rechten Ort und für jeden das passende Wort auf den Lippen. Zum eigenen Vorteil weiß sie in den richtigen Momenten zu schweigen und zu nehmen.

Gerhart Hauptmanns 1893 entstandene Diebskomödie „Der Biberpelz“ zeichnet ein Stadtpanorama, in dem Intrigen zum eigenen Vorteil an der Tagesordnung sind. Kleinere und größere Vergehen bleiben unentdeckt, weil die Quelle der politischen Macht und Rechtsstaatlichkeit damit beschäftigt ist, den status quo zu erhalten. Das Austesten der Legalität wird dadurch zu einer Art Volkssport, bei dem es um alles geht – von einer neuen Pelzjacke bis hin zum sozialen Aufstieg. Doch all dies geschieht nur, weil die Möglichkeiten dafür so günstig sind: Der eigene Vorteil scheint förmlich auf der Straße zu liegen, wie nicht weggeräumtes Feuerholz. Die beiden großen Fragen, die sich stellen, sind also: Inwieweit ist der Besitz, ganz allgemein betrachtet, rechtmäßig? Inwieweit ist er dazu bestimmt, zum Wohle anderer verwertet zu werden? schreibt Albert Schweitzer bereits 1919 in seinen „Predigten über den Besitz“. Und was ist im Sinne des eigenen Vorteils erlaubt?
Der niederländische Regisseur Marc Wortel inszenierte am Hessischen Landestheater Marburg bereits die deutschsprachige Erstaufführung von „Solange du lügst“ und die Zweitaufführung von Marc Beckers „Aus der Mitte der Gesellschaft“, die 2013 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen wurde. In der Spielzeit 2013/2014 wird er neben Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz“ außerdem mit „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ erstmals ein Kinderstück in Marburg realisieren.


Wer nichts wünscht, kann nichts wollen. Wollen aber kann nur, wem die eigenen Wünsche nicht egal sind, wer Wünsche in Bezug auf seine Wünsche hat. Das allein aber reicht noch nicht, denn auch Wünsche in Bezug auf unsere Wünsche haben wir viel zu viele. Deswegen sind Fürsprecher nötig, die bestimmten unserer Wünsche den Rücken stärken, damit wir merken, welche unserer Wünsche wir vor allem erfüllt sehen wollen. Fürsprecher dieser Art sind praktische Gründe. Sie bewerten das, was uns etwas wert ist. Wer keine Gründe dieser Art hat, hat keinen eigenen Willen; ihm ist es egal, wohin ihn seine Wünsche führen.

Pragnę otrzymywać biuletyn w języku polskim.
I would like to receive this newsletter in English.